Mittwoch, 4. November 2009


Ei,Ei,Ei

das war ein aufregendes Miteinander am Wochenende, auch wenn wir am Sonntag merklich in den Seilen hingen. Und da wir ja jetzt wieder alle ganz schnell zu Einzelkämpfern mutieren, schicke ich uns ein kleines Rilkezitat hinter her. Es enstammt einem Briefwechsel zwischen Rilke und seinem Freund Kappus:

"Aber wenn Sie dann merken, daß sie groß ist [die Ensamkeit] und nicht leicht zu tragen, und es kommen fast allen die Stunden, da sie sie gerne vertauschen möchten gegen irgendeine noch so banale und billige Gemeinsamkeit, gegen den Schein einer geringen Übereinstimmung mit dem Nächstbesten, mit dem Unwürdigsten ... Aber das darf Sie nicht irre machen. Was not tut, ist doch nur dieses: Einsamkeit, große innere Einsamkeit. In-sich-Gehen und stundenlang niemanden begegnen, -das muß man erreichen können. Einsam sein, wie man als Kind einsam war, als die Erwachsenen umhergingen, mit Dingen verflochten, die wichtig und groß schienen, weil die Großen so geschäftig aussahen und weil man von ihrem Tun nichts begriff. Und wenn man eines Tages einsieht, daß ihre Beschäftigungen armselig, ihre Berufe erstarrt und mit dem Leben nicht mehr verbunden sind, warum dann nicht weiter wie ein Kind darauf hinsehen als auf ein Fremdes, aus der Tiefe der eigenen Welt heraus, aus der Weite der eigenen Einsamkeit, die selbst Arbeit ist und Rang und Beruf? Warum eines Kindes weises Nicht-Verstehen vertauschen wollen gegen Abwehr und Verachtung, da doch Nicht-Verstehen Alleinsein ist, Abwehr und Verachtung aber Teilnahme an dem, wovon man sich mit diesen Mitteln scheiden will."

Also setzen wir uns doch einfach weiterhin die bunten ''Geburtstagsmutzen" auf, verlieren das Masshalten aus den Augen und begegnen unsere Einsamkeit nicht mit Heuchelei sondern Stolz...

Mein kleines Schlachtwort zum Mittwoch... :)

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