"Ganz gleich, auf welchem Konzert man sich befindet: Man erfährt in dem Augenblick des Auftritts alles über eine Band oder einen Musiker. In der Art Ihres Bühnenbetretens spitzt sich eine ganze Band zu." (Eric Pfeil)
Diesen Gedanken kann ich zwar allgemein ziemlich gut nachfühlen und ihm wohnt eine poetische logik inne, richtig passen tut er aber zum heutigen Konzerterlebniss mit
" These New Puritans" nicht. Immerhin musste ich an Ihn (den Gedanken) denken, als ich punktgenau zum Intro der Band in die Prinzenbar eintrudelte. Die unglaublich vollgestuckte, lüsterbehangene und barocke location beherbergte eine Band aus vier Leuten (Keybord, Orgel und Percussion, Schlagzeug und Gitarre/Mikro), welche meine eh schon hohen Erwartungen hochschnellen lassen. Der erste Eindruck: Laut. Bass. Sound. Dann die Trommeln: Ich kenne keine Rockband, bei der das Stand - Tom des Schlagzeugers eine so enorme Rolle spielt in der Musik, während gleichzeitig die Gitarre (also das eigentlich rockistische Instrument) eine so geringe Rolle. (Grammatik is was anderes). Dieser ganze Percussion Overkill endete in unzähligen Timbales, Spielmannszug - Trommeln und E-Drums, welche den merkwürdig tribalistischen, aber nie worldmusicistischen Sound der Band auf die Spitze trieb. Genug der Fachsimpelei: TNP bliesen mich aus dem Raum. Die Flucht vor purer Lautstärke lässt mich mich Draussen rauchen und danach einen Platz mit weniger Bassflut finden. In erhöhter Position (siehe Foto) ist es mir möglich, der Band einigermaßen entspannt zu lauschen. Sie spielt nur Sachen vom neuen Album "Hidden", die (obwohl alle Bläsersachen: Posaune, Tuba, Klarinette, Oboe, Tenorhorn) vom Sampler kommen, ziemlich beeindruckten. Das Hamburger Publikum war gewohnt zurückhaltent. Ich stelle mir vor wie es wäre, diese Band um 5 uhr morgens in einer Industrie -off Location mit euphorischen Freaks zu sehen, und werde wehmütig. Hamburg ist ein Kompromiss. Genauso wie Berlin, Kassel und Vockerode.
Als Zugabe gibts dann doch noch einen Gitarren – Track, nämlich „Elvis“. Yeah, Endlich der Song aller Compilations. Jetzt höhrt man auch die Gitarre.
Intermezzo.
Ich fahre nach hause. Warum haben alle blau-weiss-beschalten bzw. behemdeten menschen so schlechte Laune? Ich ahne Schlimmes und traue mich erst kurz vor meiner Endhaltestelle (um mich zur Not noch rechtzeitig den Fussballagressionen entziehen zu können ) einen einigermaßen freundlichen, blaubehendeden Menschen zu fragen, wie die Sache ausgegangen ist: Unentschieden.
Näh. 1:0 für solche neuen Puritaner. (Gegen wen auch immer)
2 Kommentare:
toll, dass du uns immer mal wieder so schön teilhaben lässt und zumindest mich ganz nebenbei motivierst, das auch zu tun..
sehr schön!
wieso ist in kassel nichts dergleichen?
die würde ich auch gern mal live hören!
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