Der groteske kulturpolitische Streit zwischen dem chinesischen Konzeptkünstler Ai Weiwei und der Stadt Shanghai um den erzwungenen Abriss seines einst im Shanghaier Auftrag gebauten Ateliergebäudes nimmt kafkaeske Züge an. Zuerst mussten in einem Fall von Amtshilfe Pekinger Sicherheitsbehörden den Künstler übers vergangene Wochenende in seinem Pekinger Domizil in Hausarrest halten, um zu verhindern, dass Ai Weiwei nach Shanghai reist. Zwei Tage nach seiner Freilassung erhielt der Künstler ein offizielles Amtsschreiben, er möge nach Shanghai kommen. Sein dortiges Ateliergebäude müsse nicht nur wie angekündigt abgerissen werden. Die Demontage des eine Million Euro teuren Baus habe der Künstler außerdem selbst, bis zum 21. November und auf eigene Kosten zu besorgen. (...)
Ai Weiwei war wie andere bekannte Künstler auch vom Shanghaier Bezirk Jiading gebeten worden, Ateliergebäude zu errichten. Geplant war eine Kulturoffensive, und die Behörden wollten sich um die Abwicklung von Grundstücksanmeldung und Vertrag kümmern. Jetzt, zwei Jahre später, nach Abschluss der Bauarbeiten am roten Backsteinstudio, wurde Ai Weiwei mitgeteilt, dass sein Bau gegen die Bodenordnung verstoße und abgerissen werden müsse. "Ich war der einzige der von Jiading eingeladenen Künstler", so Weiwei, "dem das mitgeteilt wurde." Bezirksbeamte hätten ihn aufgesucht und auch ihm finanzielle Entschädigung angeboten. Aber er dürfe kein Aufhebens davon machen. (...)
Und die Behörden hätten es wissen können: Ai Weiwei hielt natürlich nicht still, sondern machte aus dem Abrissbeschluss ein Happening. Er lud vergangenes Wochenende zur "Abriss-Party" in sein Shanghaier Atelier ein. Er versprach ein "Fest der Harmonie, bei dem wir Shanghais herbstliche Saisonspezialität, seine Flusskrebse essen". (Die Welt 11.11.2010)
Den Rest kennt der geneigte Leser.
3 Kommentare:
das bezieht sich zwar nicht unmittelbar auf die genannten ereignisse, aber dennoch:
ich stand mal neben ihm beim pinkeln.
Nobel, dass Du den Rest für dich behälst, Rob.
Ergänzung zu den chinesischen Verhältnissen: Liu Xiaobo soll am Ende seines Prozesses zu seiner Frau gesagt haben: "Und wenn sie mich zermalmen, wird mein Staub Dich immer noch umarmen."
was für eine liebeserklärung!
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